• Heaven

    25.10.2021

    Mieko Kawakamis ungeheuer einfühlsames Buch Heaven: Ein namenloser 14-jähriger Schüler wird gemobbt, weil er schielt. Das Schielen wird für seine Mitschülerin Kojima zu einem Zeichen, es hat einen Sinn, sie nimmt ihn als beschenkt wahr, während sie sich ihre Zeichen mühsam zulegen muss: Strengen Körpergeruch, dreckige Schuhe.

    Seine Peiniger sagen, das Schielen hätte mit dem Mobbing nichts zu tun; vielmehr sei es einfach Zufall, dass er gemobbt werde. Ist die Gewalt, die ihm angetan wird, sinnlos, oder ist sein Annehmen der Schmerzen und der Schwäche nicht eigentlich Stärke, also bedeutungsvoll, wie Kojima sagt?

    Als er das Angebot einer Operation erhält, die sein Schielen korrigieren kann, muss er sich entscheiden: für die Freundschaft zu Kojima, die als einzige Person jemals gesagt hat, dass sie sein Auge mag, oder für einen neuen Blick auf die Welt und die Dinge.

    Eine Geschichte vom Anderssein in einer Welt, die Andersartigkeit nicht erträgt.

    "Alles, was ich sah, war wunderschön. Ach wenn ich es niemandem erklären, mit niemandem teilen konnte: Es war einfach wunderschön."

  • Das langweiligste Rennen der Welt

    30.09.2021

    Der Spartensender Eurosport 2 übertragt das erste Weltmeisterschaftsrennen im E-Scooter-Driving. Die beiden Kontrahenten sind exakt gleich schwer und treten auf exakt gleich leistungsstarken Scootern der Firma Tier an, die auf exakt 20 km/h gedrosselt sind. Aus Marketinggründen wird die Weltmeisterschaft als Zweikampf ausgetragen, Mann gegen Mann.

    Das Startsignal, eine irritierend schrille, clowneske Hupe, trötet. Die muskulösen, nur für diesen Zweck gestählten Daumen der Kontrahenten quetschen mit ganzer Kraft auf die E-Scooter-Starthebel. Mit verbissenen Fratzen versuchen die Kontrahenten, zur Performance-Optimierung auf jeweils 40 Kilo runtergehungert, an Boden zu gewinnen. Ein groteskes Unterfangen, denn es gibt nichts zu gewinnen, keinen Millimeter. Bei 20 km/h ist Schluss. Kontrahent A war bei Betätigung des Starthebels zwei Hundertstelsekunden schneller, und diesen Vorsprung wird er halten, bis in alle Ewigkeit. Die achthundert Kilometer lange Strecke führt schnurgerade durch eine Wüste, ein breiter Streifen Asphalt auf entlegenem saudi-arabischen Territorium, von oben glüht erbarmungslos die Sonne.

    Die Übertragung ist eine einzige Quälerei. Die vollständige Ereignislosigkeit wirkt verstörend auf die Zuschauer. Beim Sender gehen Beschwerden ein. Was soll dieser Dreck? Wollt ihr uns verarschen? Der Sendeleiter sitzt kalt schwitzend im Regiewagen, er hält die Situation nur aus, weil er unablässig und mantraartig an die Sponsorengelder des saudi-arabischen Königreichs denkt.

    Es wird Nacht, eine eisige Decke legt sich über die Wüste. Die wie Habichtkrallen die Starthebel umklammernden Finger der Kontrahenten drohen einzufrieren. Dann wird es wieder Tag. Die vom Vortag verbrannte Nacken- und Unterarmhaut der Fahrer wellt sich unter den ersten Sonnenstrahlen und beginnt, sich abzulösen. An der Rennsituation hat sich nichts, überhaupt nichts geändert. Kontrahent A liegt vorn.

    Nach exakt vierzig Stunden taucht die Ziellinie vor Kontrahent A auf. Er liegt dreißig Zentimeter vor Kontrahent B. Die verbleibenden Zuschauer warten auf ein Wunder; darauf, dass Kontrahent A vielleicht doch noch stirbt, verdurstet, von einem Schlaganfall dahingerafft wird; aber so kommt es nicht. Nach genau vierzig Stunden, einer Minute und zwölf Sekunden überquert Kontrahent A die Ziellinie, genau so, wie es vom Moment des Starts an feststand. Aus seiner Kehle dringt ein heiserer, tierischer Siegesschrei.

  • Kompletter Stillstand

    14.09.2021

    Ehernes Gesetz bei Literaturpreisen: Literaturpreise gewinnen die, die eh schon Literaturpreise gewonnen haben. Ein und dasselbe Buch kriegt dann einfach alle Preise, die nicht ausgezeichneten Bücher werden immer und für alle Zeiten unausgezeichnet bleiben. Daher überrascht es nicht, dass ich innerhalb einer Woche gleich bei zwei Preisen übergangen wurde. Beim Preis des Literaturfestivals Meißen hat es immerhin zu einer Nominierung gereicht, aber was kann ich mir davon kaufen?? Darüber hinaus war die Anfahrt äußerst beschwerlich, Stau um Stau auf der fahrbahngewordenen Hölle A9, bei der Rückfahrt ellenlanger, kompletter Stillstand bei Chemnitz, und zwar OHNE JEDEN ERSICHTLICHEN GRUND. Der Stau löste sich einfach so wieder auf.

    Beim Bayerischen Buchpreis dann das totale Desaster, nicht mal eine Nominierung. Was für ein Jammer. Als wäre das nicht schon genug, hat mir dieser Umstand derart den Tag versaut, dass ich zu keiner vernünftigen Zeile am neuen Roman fähig war. Dann übellaunig abgebrochener Versuch eines Mittagsschlafs, weil mir meine preußische Pflichterfüllungsmentalität Pfeile in das übermüdete Gewissen schießt und ich deswegen diesen unlesenswerten Beitrag hier schreibe.

    So wird das nie was mit dem Nobelpreis. Nächste Woche werde ich 30. Wie viele Jahre bleiben mir noch? Meine Spuren verlieren sich im Nichts, und dann sterbe ich vollkommen bedeutungslos, das weiß ich genau! Jammernd, greinend, hadernd liege ich im Bett und dann kommt doch mit ganzer Macht der Mittagsschlaf, noch während ich diese-

  • Zum Zugpferd wird man, indem man zieht!

    02.08.2021

    Ein paar zusammenhanglose Miniaturen zum Wochenstart:

    1. Nur durch Wollen wird man nichts. Wollen und Machen ist die Kombination der Wahl!

    2. Zum Zugpferd wird man, indem man zieht!

    3. Der Gruselbuch-Autor R.L. Stine war dank einer ausgeklügelten Arbeitsmethode in der Lage, pro Monat zwei Romane zu beenden, aus den Reihen "Fear Street" und - noch erfolgreicher - "Gänsehaut". Mörderischer Inhalt, mörderisches Tempo!

    4. Gedanken am Schreibtisch: Mich kann man ersatzlos streichen; ich bin der Luxus, den sich eine sorglose Gesellschaft leistet. Und: Nichts an mir ist genial. Ich bin allerhöchstens bauernschlau.

    5. Ich werde fetter und fetter. Kilo um Kilo, Kleidergröße um Kleidergröße. Es muss aufhören!

    6. Ich bin getrieben von dem ständigen unguten Gefühl, dass ich Dreck am Stecken habe.

    7. Ein nicht ganz schlechter Gedanke zu Literatur (natürlich nicht von mir, ich schreibe immer nur ab): Sie ist dazu da, die Verstörten zu trösten und die allzu Gemütlichen zu verstören. To comfort the disturbed and to disturb the comforted.

    Und noch zu guter Letzt:

    1. Die Fantasie kann einen retten. So ist es wirklich!

    Nur das Beste, Euer B

  • Eine ehemals erfolgreiche Eisdiele

    23.07.2021

    Der alternde Eisverkäufer Giacomo hat nur die klassischen Sorten im Angebot: Schokolade, Vanille, Erdbeer usw. Nichts laktosefrei, nichts fusion. Winter und dann Lockdown, nur unter größter Anstrengung und mit noch größeren Einsparungen und Entbehrungen hat sich Giacomo in den Frühsommer gerettet. Doch heute ist es sonnig und warm, und die schmerzenden und zähflüssigen Monate sind schon fast wieder vergessen. Lächelnd holt Giacomo sein Schild heraus: "In der Schlange bitte eine FFP2-Maske tragen", steht darauf.

    Ein paar Sekunden genießt Giacomo die Sonne auf dem Gesicht und den angenehmen Geräuschteppich der Straße, als plötzlich, völlig aus dem Nichts, ein Fahrradfahrer vor ihm anhält und voller Hass schreit: "DU HAST WOHL DEN SCHUSS NICHT GEHÖRT!!" Jede Pore des Irren dünstet Hass, Hass, Hass aus. Heißer Speichel schießt aus seinem Mund, während er schreit. Dann fährt er, genau so plötzlich und unvermittelt, einfach weiter. Er pfeift sogar eine fröhliche Melodie, während er davon radelt. Unvorstellbar.

    Nach ein paarmal Ein- und Ausatmen verwandelt sich der Schock in ein schales Gefühl der Demütigung. Giacomo lächelt jetzt nicht mehr.

    Aber erst am Abend versteht er, was der Fahrradfahrer gemeint hat. In all den Monaten des Hoffens und Durchhaltens, des Sparens und Betens, hat Giacomo die Zeitenwende verschlafen. Den ganzen Tag hat sich nichts gebildet, was man nur ansatzsweise eine Schlange nennen könnte, in der eine FFP-2-Maske nötig gewesen wäre. Er hat so gut wie keine einzige Kugel von seinem Eis verkauft. Und das wird er auch nicht mehr. Da ist Giacomo sich plötzlich ganz sicher. Seine Rezepte sind veraltet, genau wie er. Es ist endgültig vorbei.

  • Oberländer und die Liebe

    14.07.2021

    Ganz nach dem Motto: "Amateure warten auf Inspiration, Profis setzen sich hin und arbeiten" bin ich immer auf der Suche nach Plattformen, die ich volldilettieren kann im Ringkampf um den ein oder anderen passablen Satz - und auf story.one fündig geworden. Das Prinzip: Schreibe 12-17 Geschichten zu je maximal 2.500 Zeichen und erstelle daraus dein Buch! Zu gewinnen ist a) 14 Tage writers-in-residence-Programm und b) ein Agentur-Vertrag bei Marcel Hartges, von dem ich immer zwei Dinge höre, nämlich a) er ist der unbeliebteste Mann der Branche und, sehr interessant, b) er kann dich zum Millionär machen. Zwar habe ich bereits eine Agentin, die hat mir aber gesagt, dass ich, wenn Hartges mich nimmt, ich zu ihm gehen soll, denn: "Er kann dich zum Millionär machen".

    Wie auch immer. Während meiner Arbeit an meinem zweiten Roman versande ich immer wieder mit stierem Blick im gedanklichen Vakuum. Gegenmittel: die kreative Anstrengung umlenken und dann wieder zurückkehren und weitermachen. Pause vom Schreiben durch Schreiben. So mein hochproduktiver Ansatz. Plan: Ich erstelle ein Buch aus 12-17 Geschichten zu je 2.500 Zeichen. Inhalt: ein Spin-Off aus dem Kosmos von "Das Liebesleben der Pinguine" - Oberländer und die Liebe. Kleinkrimineller Tierhändler goes Dating. Spannend!

  • Runter vom Beichtstuhl, ab an den Schreibtisch

    13.07.2021

    Still wurde es hier. Grundgütiger, wie still es wurde! Erklärung: Faulheit. Widerlich faul bin ich zur Zeit schon wieder. Und mir ist nichts zu schade, um diesen Umstand zu vertuschen. Gestern habe ich eine achte Klasse eines Gymnasiums angelogen, um vor ihnen und mir besser dazustehen. Eine Reihe an Irrtümern und Fehleinschätzungen führte dazu, dass die Deutschlehrerin der Klasse mich für einladenswert hielt. Auf die Frage aus der Klasse, "wann ich gemerkt habe, dass ich ein erfolgreicher Autor sei", erfand ich drei oder vier Begebenheiten, an denen ich vorgeblich meinen Erfolg abzulesen vermochte, ich weiß nicht mehr im Detail, was ich da angeführt habe, aus Scham schon wieder vergessen. ICH BIN NICHT ERFOLGREICH, wäre die aufrichtige Antwort gewesen, ICH BIN FAUL, UNNÜTZ UND VOR LAUTER ERFOLGLOSIGKEIT NICHT MAL IMSTANDE, MEINE WEBSITE ZU PFLEGEN, unter Tränen hervorgebracht. Und dann ab in die Ecke für den Rest der Stunde. Stattdessen habe ich, um extra-unfaul zu erscheinen, außerdem behauptet, ich würde "pro Tag mindestens 60 Seiten lesen". Die Traurige Wahrheit: Höchstens 30, oft 20, nicht selten 10 oder eine mickrige Zahl im einstelligen Bereich. Das war nicht die letzte Lüge des Tages: Bei einem Tischtennismatch am Abend mit einem befreundeten, tatsächlich erfolgreichen Autor, beantwortete ich die Frage nach den aktuellen Verkaufszahlen meines Buchs nuschelnd mit "5000 sowas". Schon wieder gelogen! Die Wahrheit: traurige 2000. Stand April zwar, aber so viel wird nicht mehr dazugekommen sein.

    Jetzt aber genug Buße getan, runter vom Beichtstuhl und ab an den Schreibtisch! Schließlich will ich nicht für immer weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle mein Dasein fristen. Wer mich kennt, weiß: Ich will hoch hinaus. Dazu passend trainiere ich zur Zeit vermehrt Klimmzüge. Ich schaffe schon acht am Stück. LÜGE! Sieben, und nur mit Unterstützungsband. Ich gelobe Besserung, hörst du, Gott? Hörst du, achte Klasse? Hörst du, Welt? Ihr alle werdet von mir hören!

  • Vom Holzmichl und vom Fahrradgreis

    14.06.2021

    Beunruhigende Nachricht: Mehrere Millionen Dosen Impfstoff von Johnson&Johnson seien verunreinigt und würden derzeit aus dem Verkehr gezogen und entsorgt. Darunter ein Kommentar von User "holzmichl", der tief blicken lässt, O-Ton: "Bevor es weggeschmissen wird, können wir doch Obdachlose oder Behinderte damit impfen." So geht Nächstenliebe a la Holzmichl.

    Noch eine kleine Anekdote am Rande: Saß gerade beim Mittags-Cappuccino, als ein radfahrender Greis, ca. 80 Jahre, giftgrünes Kurzarm-Hemd, Sonnenbrille, Kappe, sehr knappe Badehose und Sandalen an gut pedikürten Senioren-Füßen, in Schrittgeschwindigkeit an mir vorbeirollte und mich aus dem Nichts anschrie mit den Worten: "Du Papagallo, ich bügel dir den Arsch auf links! Avanti Avanti!" Für den Moment des Ausrufs verzerrte sich sein Gesicht zu einer Grimasse aus purem Hass, aber sobald er an mir vorbeigerollt und ich aus seinem Gesichtsfeld war, begann er augenblicklich, eine heitere Melodie zu pfeifen.

    So dünn ist es, das Firnis der Zivilisation. Dünn wie radelnde Greisenbeinchen. Beste Wünsche zum Wochenstart, euer B

  • Stunde Null

    01.06.2021

    Es ist soweit: Mein Instagram-Account @bernihecklestone ist gleichgezogen mit meinem Twitter-Handle @bernhardheckler - jeweils 258 Follower. @bernihecklestone hat im Moment seines Triumphs vor den Rängen sein Trikot gelüftet und ein T-Shirt mit dem Spruch "4ever @bernhardheckler" zum Vorschein gebracht. Eine Geste des Respekts. Social-Media-Deutschland diskutiert: Kann @bernihecklestone bis zum Ende des Jahres noch einen Follower dazugewinnen und an @bernhardheckler vorbeiziehen? Den ewigen Rekord nicht nur einstellen, sondern knacken? @bernihecklestone ernährt sich gluten- ballaststoff- und eiweißlos, um in Bestform zu kommen. Verhärmt und übellaunig, aber mit Idealgewicht nimmt er die 259 in Angriff. Verbissen? Ja. Unsympathisch? Claro que si. Aber Qualität kommt von Qual. Und @bernihecklestone ist bereit, sich zu quälen, den Schmerz zuzulassen und schließlich in nie dagewesene Follower-Höhen vorzudringen, ein Pionier 3.0, der erste aus seiner Familie, der überhaupt einen Instagram-Account erstellt hat. Seine Eltern sind stolz: "Ich weiß nicht mal, wie man ein Handy anschaltet und der Junge surft, als hätte er nie was anderes gemacht", so der Vater. "Mein Junge, jetzt ist er so erwachsen", jammert die Mutter mit tränenerstickter Stimme. Aber @bernihecklestone bleibt am Boden und vergisst nicht, wem er das alles zu verdanken hat: "@bernhardheckler hat meinen Erfolg erst möglich gemacht. Ohne seine Reputation bei Twitter (er spricht es englisch aus, "räpiutäischn") hätte ich Instagram nie conquern können." Conquern, ja, so einer ist das, so redet er. Hoffen wir, dass es nicht noch schlimmer wird.

    Wie dem auch sei Friends&Followers, ein denkwürdiger Tag: Ich bin bei Twitter und Instagram seit heute gleich reichweitenschwach. Ich kündige bereits hier dem inner circle an: Ab sofort volle Konzentration auf Instagram, stiefmütterliche Behandlung des Vollidioten-Mediums Twitter. Nulldiät, bis mein Eightpack die Timelines überschwemmt, und dann BAMM das neue Buch. Gerade wenn die Leute sich nur noch auf meinen schwindelerregend geilen Körper konzentrieren, schockiere ich sie mit Inhalt. Harte Sorte, Milieu, kaputte Träume, berstende Hoffnung, 250 Seiten, Frühjahr 2023, stay tuned!

  • Die Sprache kneten

    22.05.2021

    Bisher erhaltene Preise für mein literarisches Frühwerk: keine. Nichts. Nicht mal eine Nominierung. Erst gestern wurde ich zum wiederholten Mal übergangen. Diesmal beim Bayern2-Wortspiele-Preis. Zu gewinnen waren 2000 Euro und ein vierwöchiges Aufenthaltsstipendium in Peking. Tapfer hielt ich die Tränen zurück, als abermals mein Name nicht genannt wurde, als es darauf ankam. Nicht mal im engeren Kreis war ich. Die Kränkung befindet sich im noch nicht abgeschlossenen Heilungsprozess, griesgrämig watschle ich durch den schönen Sommertag.

    Die Jury zeigte sich insgesamt enttäuscht bis angewidert von den Texten, die zur Auswahl standen. Seit Jahren warte man auf einen Newcomer, der den Mut habe, "die Sprache zu kneten", endlich mal ein Experiment zu wagen, stattdessen müsse man nun den am wenigsten schlechten Text aus einer desillusionierenden Menge an mutloser, literarischer Stangenware auszeichnen. Widerwillig gestand man meiner Autoren-Kollegin Julia Rothenburg für ihren Roman "Mond über Beton" den Preis zu (Glückwunsch an dieser Stelle). Die Jurorin, eine gestrenge, grauhaarige Frau, Typ Weltraum-Nazi-Feldwebelin aus dem Filmkosmos von "Iron Sky", tat ihre Entscheidung mit einer irritierenden Abscheu kund, aus der die Enttäuschung sprach, nicht selbst mit 25 den Roman geschrieben zu haben, den sie heute so schmerzlich vermisst: Einen Text mit Verve, sprachlich durchgeknetet wie ein 400-seitiger Mürbteig, experimentell aufgebacken und frisch aus dem Ofen serviert.

    In diesem Sinne, liebe Freunde: Haltet euch ran, schreibt, was das Zeug hält, auf dass ihr nicht in 30 Jahren eurem nie geschriebenen Weltveränderer zwischen Buchdeckeln hinterhertrauert. Einfachstmöglicher Start hier. Aufmunternde Grüße eines früh Gescheiterten!

  • I waas net obma jetz wirklich live san

    17.05.2021

    Hallo und Grüß Gott Dear Friends&Followers!

    Vergangenes Wochenende durfte ich für zwei Lesungen ins urleiwande Wien reisen. Residiert habe ich im "Hotel und Palais Strudelhof" - Typ in die Jahre gekommenes Edelhotel, quietschende Scharniere, Minibarinhalt seit Monaten über dem Verfallsdatum, dominante Farbe: braun. Blick in den Palais-Garten, fantastisch soweit. Teilnahme am Lesewettbewerb "Wortspiele", seit über 20 Jahren ausgerichtet von dem fantastischen niederländischen Anarcho ("ich mach nur noch, was ich will") Johan de Blank. Der leidenschaftliche Raucher de Blank ("jetzt ein Kippchen, und die Welt ist ok") zahlte alle Teilnehmer direkt im Anschluss bar mit 200-Euro-Scheinen aus, die ich am darauffolgenden Tag mittels einer fluchenden Bipa-Verkäuferin ("ah ge bitte, Sie ham doch nur eine Zahnpasta") wieder in Umlauf brachte. Nach einem in die Jahre gekommenen Edel-Hotelfrühstück (dreierlei Gebäck, Kalbsleber und eine ganze Birne zum selber kleinschneiden) und gutem Gespräch mit Kneipen-Aficionado de Blank ("ich geh immer in die Kneipe, immer Bierchen") dann ausgedehnter Spaziergang vor der nächsten Veranstaltung: Ein Facebook-Livegespräch inkl. Lesung in der Wien-City-Filiale der Buchhandelskette Thalia.

    Geforderte Ankunft eine Stunde früher für ein "Vorgespräch". Inhalt des Vorgesprächs: Moderator Rudi Schwuppdiwupp (Name geändert) erzählt geschlagene, aber unterhaltsame 30 Minuten von der srilankesischen (Nationalität geändert) Gemeinde seiner Frau und den dort stattfindenden Zoom-Gottesdiensten ("da reden alle durchanand"), um dann die Kurve zu kriegen und mir zu offenbaren: "Ich waas gar net, was i di fragen soll". Das Buch fand er einen Schaas, er selber ist "sowas von coming out of age", dass er den Schaas überhaupt nimmer gut findet, außerdem sind am Schluss noch Fragen offn gwesn, des mag er goanet.

    Dann das eigentlich Gespräch. Rudi Schwuppdiwupp ist Moderator, Social Media Manager und Regisseur in Personalunion, nach jeder Frage wendet er sich seinem Laptop zu und haut wie ein Derwisch in die Tasten, um den Kameraschwenk auf mich zu vollführen ("jetzad schwenkma"), eine enorme Multi-Tasking-Leistung, Fragen stellen, Kameraschwenk, Zoom rein, Zoom raus, kritisch nachhaken bei meinen windelweichen Antworten, Kameraschwenk. Dann, plötzlich, die Stunde ist fast vorbei: "I waas net obma jetz wirklich live san". Betretene Schlussminuten, dann die Gewissheit: mir woarn net live.

    Tja, Friends&Followers, so kann es gehen. Jetzt live und in Farbe: Meine besten Wünsche für den Wochenstart! Lasst euch nicht unterkriegen und Bussi!

  • Michael und kein Ende

    05.05.2021

    Gestern Streifzug durch das postapokalytische, leergefegte Nichts, das mal die Hamburger Reeperbahn war. Über Nacht bei Freunden. Gespräch über japanische Literatur. Ich gebe zum Besten, dass ich es beeindruckend finde, dass japanische Schriftsteller die Jahreszeitenwechsel in ihren Texten durch die Schriftfarbe kenntlich machen. Rostbraun für Herbst, Blau für Winter, Grün für Frühling, Gelb für Sommer. Ob das wirklich stimmt: keine Ahnung. Die Freunde zeigen sich jedenfalls beeindruckt. Erwiderung meines Freundes M: Er kenne die verschiedenen Schriftfarben nur aus dem Buch "Die unendliche Geschichte". In billigeren Ausgaben werde mit kursiver Schrift gearbeitet, aber hochwertige Exemplare seien durchzogen mit grüner bzw. roter Schrift.

    Daraufhin Eingebung von mir: Kann es sein, dass Michael Ende die Arbeit an seinem erfolgreichsten Buch "Die unendliche Geschichte" nur aufgenommen hat, um seinem eigenen Nachnamen etwas entgegenzusetzen? "Ende!? Das wollen wir mal sehen!"

  • Sternfahrt nach Grunewald

    01.05.2021

    Mit Erschrecken stelle ich fest, dass mein letzter Eintrg an dieser Stelle vom 16.04. datiert - meine Faulheit wird immer bedenklicher. Bräsig, dickflüssig wabere ich durch die Tage. Einziges verlässliches Gegenmittel: Öffentliche Schmeichelei. Nur sie vermag es, mich zur Tat zu treiben. Und weil ich gestern vor Publikum Lob für meine Website, dieses bescheidene Kleinod, bekommen habe, raffe ich mich auf, um Neuigkeiten in meinem überblickbaren Leben zu sondieren.

    Derzeit halte ich mich in Berlin auf, wo ich Anfang kommender Woche meine Agentin und meinen Verleger treffen werde, um dann möglichst bald mit einer neuen Deadline und äußerem Druck ausgestattet die Arbeit am neuen Buch zu beginnen (Idee: Sozialchronik a la Emile Zola, Kargheit, Brutalität, echte Gefühle, stay tuned).

    Doch vorerst werde ich an diesem 1. Mai an einer sogenannten "Sternfahrt" nach Grunewald teilnehmen: aus fünf Himmelrichtungen nähern sich prekär lebende, linksgerichtete Berliner Fahrradfahrer dem verabscheungswürdigen Bonzenviertel Grunewald, um den ortsansässigen reichen Pinkeln mal ordentlich die Meinung zu klingeln. Was glauben die, was sie da machen? Leben? Wohnen? Normal sein und ganz ordinäre Zwänge und Probleme haben? Not on my watch! Bin jetzt bereits aufrührerischer Stimmung, stinksauer!

    Bevor ich mich nun dem aufgebrachten Solidar-Fahrrad-Mob anschließe, noch ein erratischer Gedanke: Buddha hieß mit richtigem Namen Siddhartha Gautama. Ein wahrhaft lächerlicher Name. Je öfter man ihn laut ausspricht, umso lächerlicher wird er: Siddhartha Gautama! Siddhartha Gautama! Siddhartha Gautama! Ein phonetischer Witz! Er war gut beraten, sich einen Künstlernamen zuzulegen.

    In diesem Sinne: Buddhistische Grüße, lasst die Städte stehen und die Kapitalisten in Frieden, legt die Füße hoch und macht euch einen schönen Pfefferminztee, den Klassenkampf erledige ich heute für euch.

    Euer B

  • Mein Feind, die Birke

    16.04.2021

    29 Jahre alt musste ich werden, um zum ersten Mal mit voller Wucht von meinem neuen, unsichtbaren Feind, der Birkenpolle, niedergestreckt zu werden. Meine Nieser sind durchdringende Schreie, ein aggressives Bellen. Die Nase weint. Nach 10 Milligramm Loratadin, einem Dutzend Stöße mit Allergodil akut 10 ml und gleich noch einer LoranoPro (Wirkstoff Desloratadin, der Unterschied zu ordinärem Loratadin ist mir nicht klar, laut Apothekerin liegt er bei "ausgesuchten wirksamen Bestandteilen" von LoranoPro im Gegensatz zum Normalo-Lorano, was ist denn dann im Normalo-Lorano? Wahllose, wirkungslose Stoffe? Falls das stimmt, muss es einen öffentlichen Aufschrei geben!) hinterher nun zwar leidlich überlebensfähig, aber stets begleitet von dem Gefühl, dass mir gerade ein dumpfer Faustschlag mitten ins Gesicht verpasst wurde. So lange habe ich mich sicher gefühlt um diese Jahreszeit, Heuschnupfen war Schwäche für mich, Schwäche der bemitleidenswerten anderen. Noch ein Überlegenheitsgefühl weniger.

    "Du nutzloser Trottel", schreie ich mein Immunsystem an, "du führst einen Kampf gegen Windmühlen! Die Birkenpolle ist keine Gefahr, du Don Quichote, du Narr!" Doch mein außer Rand und Band geratenes, verblödetes Immunsystem (in vertrauten Momenten bedenke ich es mit dem Kosenamen "Immuni") drischt weiter auf die unsichtbaren, eingebildeten Eindringlinge ein wie der sächsische Schrebergartenbesitzer auf den Flüchtling, bis es kraftlos in sich zusammensinkt und ich gleich mit.

    Der Ceterizin-Hexal-Pollenflugkalender prognostiziert noch weitere drei Wochen Birkenpollenflug. Die Birke, dieses minderwertige Gewächs, verteilt bis zu fünf Millionen Pollen pro Kätzchen (maßlos!), weil sie sich nicht wie jeder normale Baum via Insekten fortpflanzen kann, sondern einzig auf den Wind angewiesen ist. Das werden harte, sinnlos anstrengende Wochen.

  • Sido präsentiert Heckler - vvan

    14.04.2021

    ACHTUNG, VERANSTALTUNGSHINWEIS!

    Es istvvan die literarische Erfolgsgeschichte des Jahres: Der Autor Bernhard Heckler stehtvvan mit seinem Romandebüt „Das Liebesleben der Pinguine“ seit zweieinhalb Lockdowns auf Platz Eins der SputnikV-Bestsellerliste. Im Literaturhaus Berlin wird er anlässlich einer Million verkaufter Bücher zum ersten Mal sein Gesicht zeigenvvan. Bislang warvvan Heckler nur mit einer Ganzkörper-FFP2-Maske in Erscheinung getreten. Mit dem Moderator Sido wird Heckler über die Entscheidung sprechenvvan, die Maske fallen zu lassen. Das Honorar der Lesung spendetvvan Heckler an die Markus-Söder-Stiftung für Kulturschaffende in Not.

    *Ab einem bundesweiten Inzidenzwert von über 50 ist es verpflichtend, bei Veranstaltungs-Ankündigungen auf die Notfallgrammatik vvan (vielleicht, vielleicht auch nicht) zurückzugreifen, um die psychische Gesundheit der Bevölkerung stabil zu halten. Kultureinrichtungen droht bei Nichtumsetzung ein Bußgeld von 500 Euro pro falscher Deklination.

    ZWEITE AUGUSTHÄLFTE! Mehr Informationen in Kürze hier.

    Ansonsten schweift der Blick des pandemiegebeutelten Großstädters derzeit über steirische Weinhänge, hier und da hat Bob Ross ein Bäumchen in die Landschaft getupft, ein frecher Fasan reckt sein rotes Köpfchen aus dem hohen Gras, das ein oder andere Reh hüpft todessehnsüchtig Richtung Landstraße. Lektüre: Steven Sherrill - Die Tote vom Big Toe River. Überraschend gut, Tendenz meisterhaft! Bittere Stunden gestern vor dem Fernseher, der letzte große Auftritt meiner Helden Jerome Boateng, Javi Martinez, David Alaba. Quo vadis, FCB? Wie soll das alles werden in der nächsten Saison? Ich fürchte die Veränderung.

    Verunsicherte Grüße in die Runde, Euer B

  • Kopf ausmachen, Befehle umsetzen!

    31.03.2021

    Es gibt neue Reaktionen auf das Buch zu verzeichnen - etwa eine wohlwollende Rezension im Kulturradio des NDR, hier nachzuhören. Die Rezensentin fand aber nicht alles gut, Zitat: "Ein kleiner Dämpfer, den schon der rührselige Buchtitel androht: Die immer wieder eingestreuten Passagen über das Sozialverhalten von Pinguinen sind etwas dick aufgetragen, in der Tat." Frage mich, welches weniger rührselige Tier ich hätte wählen können: Das Liebesleben der Gnus. Das Liebesleben der Dachse. Das Liebesleben des gewöhnlichen Hausschweins. Möglichkeiten hätte es gegeben.

    Eine zum Schutz aller Beteiligten verfremdete Anekdote aus einem wenig erfreulichen Bereich meines Berufslebens: Der einfache Mitarbeiter Hernhard Beckler sitzt beflissen am Schreibtisch und versucht, seinen bürokratischen, aber nicht ganz anspruchslosen Aufgaben einigermaßen gerecht zu werden. Schon in der Vergangenheit ist er krachend gescheitert. Was soll man machen, er ist nicht für die Art Arbeit gemacht, die von ihm verlangt wird, und das weiß er auch. Im Glauben, im Sinne des Unternehmens zu handeln, unterläuft ihm regelmäßig grober Unfug. Zunehmend ungehalten reagieren seine Vorgesetzten, zunehmend nervös wird er selbst. Eine Zeit lang geht es halbwegs gut. Aber dann passiert es wieder: Beckler ändert etwas. An einer Stelle, wo er nichts hätte ändern sollen, nichts hätte ändern dürfen, wo er alles hätte tun müssen, um bloß jede Änderung zu verhindern! Der Anruf des Vorgesetzten lässt nicht lange auf sich warten: Er sei der Chef! Was bilde Beckler sich ein, klare Anweisungen zu ignorieren? Wie oft solle er es noch sagen? Kopf ausmachen, Befehle umsetzen! Wenn das noch ein Mal passiere, nur noch EIN MAL, dann hänge er, der Chef, Beckler hin! Beim Oberchef! Das mache er, ohne zu zögern! Als der Chef seine Wuttirade beendet und aufgelegt hat, sinkt Beckler auf seinem Stuhl zusammen. Wie lang noch, bis er endgültig gefeuert wird? Wie lang, bis seine Existenz vernichtet ist und ihm nichts mehr bleibt, als sich mit kleinen, vollkommen idiotensicheren Hilfsarbeiten über Wasser zu halten, bis der Staat ihm endlich unter die Arme greift? "Reiß dich zusammen, Hernhard", flüstert Beckler sich zu und macht sich dann mit Angstschweiß an den Händen wieder an der Tastatur zu schaffen. Es gibt noch viel zu tun.

  • Come Back Weaker

    24.03.2021

    Das Buch ist in der Welt! Ersten Rückmeldungen nach zu urteilen ist es leicht lesbar, man kann es problemlos an einem Wochenende wegsnacken. Das Buch für die Generation Netflix-Binging. Ich durfte beim MDR meine Premiere feiern, zusammen mit den Bands Provinz und Bruckner, der Musikerin Luna, der Autorin Esther Becker, der Autor*in Hengameh Yaghoobifarah und dem Autor Benedict Wells, moderiert von Sissy Metzschke. Tolle Veranstaltung, Konzertfeeling, Hotelzimmer mit Blick direkt in die Bahnhofshalle des Leipziger Hauptbahnhofs. "Wo ist denn der Heckler, kann man den mal anrufen? Er ist gleich dran!" Tipp tipp, wähl wähl. Tut tut. "Hallo?" "Ja hallo Herr Heckler, Oertel hier von MDR Friends of Poesie, in fünf Minuten müssen Sie vor die Kamera, wo sind Sie denn?" "Gerade fährt der Zug ein! Da kommt er! Tschu Tschuuu!" Oertel, murmelnd: "Wir hätten dem Idioten nicht das Zimmer mit Bahnhofsblick geben dürfen."

    Dann, zurück in München, konnte ich der ersten Buchbesprechung bei Deutschlandfunk Nova von Lydia Herms lauschen. Sie sagt, sie könne nicht anders, "als Heckler für seine Dreistigkeit zu feiern." Da wird mir warm ums Herz.

    Noch zwei zusammenhanglose Gedanken. Erstens, toller Name für einen zünftigen Gasthof: "Wirtshaus Wichseneder". Möglicher Radio-Werbespruch: "Gscheide Sessel aus Ferkelleder, die gibt's nur beim Wichseneder."

    Zweitens: Zeit, mit einer großen Unwahrheit aufzuräumen. Nach einer Sportverletzung, sagen wir, einem Außenbandriss im Sprunggelenk, regeneriert sich der Körper gut von selbst, sogar bei konservativer Behandlung (Ruhigstellen mit Schiene, Teilbelastung, Physiotherapie). Das Außenband sucht sich von selbst einen neuen Ansatz und wächst wieder zusammen. Wenn es vor der Verletzung das Sprunggelenk mit 100% Stabilität unterstützt hat, kommt es nach der Verletzung immerhin auf beachtliche ca. 90-95 %. Fast so gut wie davor, nur ein bisschen schlechter.

    Aaaaaber warum heißt es dann "come back stronger?" Zugegeben, langer Anlauf für eine banale Einsicht: Es müsste in jedem Fall heißen: "come back weaker".

    In diesem Sinne: Work, recover, come back weaker! Euer Berni

  • Einer von Uns

    15.03.2021

    Heute bei Instagram Erstaunliches entdeckt: Martin Suter schreibt einen Roman über Bastian Schweinsteiger. Was sagt man dazu? "Einer von euch" erscheint Ende September. Was das wohl für ein Buch wird?

    Suter beschreibt auf seiner Website das erste Treffen mit dem ehemaligen Kapitän der Mannschaft, der sich schon mindestens vierfach gewandelt hat: vom Schweini, der im Vereins-Pool mit der Cousine planscht zum Bergführer mit Kantenschädel zum Ironman mit getackertem Augen-Cut zum Elder Statesman mit Traumhochzeit in der Regenbogenpresse. Wie kann man da literarisch noch einen draufsetzen? Man darf gespannt sein.

    Schweinsteiger und Suter haben sich im Konferenzraum des Zürcher Flughafens getroffen, nach fünf Minuten waren sie per Du und das Buchprojekt besiegelt.

    Wie gern würde ich mal ein konspiratives Treffen im Konferenzraum eines Flughafens abhalten. In meinem Fall vermutlich eher in Memmingen: "Also, Herr Großkreutz, Kevin, ich darf doch Du sagen? Dann erzähl doch nochmal die Geschichte mit dem Döner. Und als du in die Hotellobby gepinkelt hast. Das könnte einen tollen Roman hergeben."

    Ein Wort zu Suters Website: martin-suter.com, elegant wie Suters Anzüge, lässt bernhardheckler.de aussehen wie ein löchriges T-Shirt. Aber auch das muss man tragen können.

  • High-Performer unter sich

    12.03.2021

    Bereits um 10.50 Uhr morgens, meinem gewöhnlichen Arbeitsbeginn (der frühe Vogel ist bemitleidenswert und fängt gar nichts) scheint die Sonne auf den Schreibtisch - der Frühling kündigt sich an. Die Avocado verzeichnet große Wachstumsfortschritte. Noch während ich das hier schreibe, entfaltet sie weitere drei Blätter. "High-Perfomer unter sich", schmunzle ich ihr zu.

    Pünktlich zum Frühlingsbeginn erschien gestern hervorragend getimed ein Text über das Skifahren von mir im Reiseteil der Zeit. Twist: Mein Skigebiet war mein Wohnzimmer. So gesehen also ein Text, der das ganze Jahr über funktioniert und Leser abzuholen vermag. Fallhöhe, wie üblich bei meinen netten und herzlich egalen Texten, sehr gering, Lawinenabgang nicht zu befürchten, schlecht wurde mir einmal trotzdem.

    Soweit von mir. Ich wünsche allen acht treuen Lesern meines erratischen, durch nichts zusammengehaltenen Tagebuchs - thematische Klammer: Fehlanzeige - ein geruhsames Wochenende. Ein Tipp für euch: Noch bin ich unbekannt und nahbar. Das kann sich aber sehr schnell ändern! Also interagiert mit mir, so lange ihr noch könnt.

  • Was das bleibt

    09.03.2021

    Am Wochenende hatte ich zum ersten Mal mein eigenes Buch in der Hand. Erster Gedanke: Gott sei Dank, jetzt habe ich etwas hinterlassen.